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Lese-Tipps von Lesern für Leser

Haben Sie Lust und Zeit, ein paar Sätze zu Büchern oder CDs zu schreiben, die Sie begeistert haben und die Sie gerne weiterempfehlen möchten?!
Wir und andere Kunden würden uns über Lesetipps freuen!
Schreiben Sie uns einfach eine Mail mit einer kurzen Besprechung.
Es sollte sich um Medien handeln, die sich im Besitz der Bibliothek befinden, damit sie von unseren Kunden auch entliehen werden können.


Von der Liebe erzählen

Von der Liebe erzählen:
Herausgeber: Toni Distelberger, Dokumentation lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen, "damit es nicht verloren geht"


Sechs Geschichten - erzählt von Frauen, die in in der Kriegs- und Nachkriegszeit lebten oder geboren wurden. Verluste von Angehörigen, Trennungen, Flucht, Hunger - Notzeiten. Vom beschwerlichen Leben der Frauen in kleinen Landwirtschaftsbetrieben. Oft noch ohne Strom - und Wasseranschlüsse im Haus, Feldarbeiten mußten mühsam von Hand erledigt werden. Technische Geräte gab es entweder noch nicht, oder sie besaßen nur Großbauern. Ledige Kinder und deren Mütter hatten es besonders schwer in diesen Zeiten. Trotz aller Einschränkungen erlebten sie die erste, oft auch einzige, Liebe ihres Lebens.
"Man trifft alte Bekannte, redet von früheren Zeiten und meint, es wäre alles
besser gewesen. Stimmt aber gar nicht; es war nur mehr Zufriedenheit unter allen. Es wurde gemacht was ging, das andere mußte halt warten, oder man
verzichtete auf etwas, was der andere hatte".
hoc.

Ketil Bjørnstad: Die Unsterblichen

Ketil Bjørnstad: Die Unsterblichen

Der Arzt Thomas Brenner und seine Frau Elisabeth, beide Ende 50, könnten sich eigentlich auf ihren baldigen Ruhestand freuen. Wären da nicht ihre zwei erwachsenen Töchter, die zwar ein sogenanntes selbstbestimmtes Leben führen, sich dieses jedoch von den Eltern finanzieren lassen.
Zu dieser Belastung kommen noch die der "Unsterblichen". Von Beiden sind die Eltern hochbetagt und pflegebedürftig. Thomas und Elisabeth stellen sich dieser Verantwortung, sind aber damit überfordert. Ihrem  eigenen Gesundheitszustand, der absolut kein guter ist, schenken sie keine Beachtung; wohl aus Angst vor den vermuteten Diagnosen, die einschneidende Konsequenzen nach sich ziehen würden. Alle Mitglieder dieser aus drei Generationen bestehenden Familie, mehr oder weniger voneinander abhängig, leiden unter Verlustängsten: Menschen zu verlieren, die sie lieben und umsorgen, die Selbständigkeit aufgeben zu müssen, schwer zu erkranken.
Ein schwerer, düsterer Lesestoff, zeitnah, überdenkenswert.
hoc.

Erri De Luca: Das Gewicht des Schmetterlings

Erri De Luca: Das Gewicht des Schmetterlings
Ein Ausflug in die Höhen der Berge mit Einblicken in  Abgründe von Mensch und Tier. Letzte Begegnung zweier  ebenbürtiger Könige: der eine der Gämsen, der andere der Wilderer. Sie kennen und respektieren sich schon einige Jahre. Aber jetzt spüren Beide, dass ihre Lebenskraft und damit auch ihre Zeit zu Ende geht.
Das Gewicht eines Schmettlerlings begleitet die Protagonisten in ihren gemeinsamen, würdevollen Tod.
Könnte man Romane mit Edelsteinen vergleichen, dann wäre dieses dünne Büchlein ein Diamant.
hoc.

Jón Kalman Stefánson: Der Schmerz der Engel

Jón Kalman Stefánson: Der Schmerz der Engel
Eisiges Gletscher-Island, Schneestürme und Dunkelheit, Liebe und Tod.
Das beschwerliche Leben für Mensch und Tier, auf den  einsam gelegenen Berghöfen ist oft ein  wintermonatelanger Überlebenskampf. Trotz Wetterwarnung macht sich Jens, der Postman, mit seinen Zustellungen auf den Weg. Begleitet wird er von dem Jungen. Ein ungleiches Paar, Jens der große Schweiger, wärend der Junge viele Fragen stellt und  gerne erzählt. Auf ihrer tagelangen, abenteuerlichen Route kämpfen sie mit Naturgewalten, Hunger und Einsamkeit.
Stefansson schildert die Begebenheiten mit sehr viel Poesie und kleinen Lebensweisheiten auf vielen Seiten; das macht diesen Roman zu etwas ganz Besonderem.
hoc.

Maria Barbal: Camfora

Maria Barbal: Camfora
Das despotische Oberhaupt der Familie beschließt eigenmächtig die Enge
eines katalanischen Dorfes mit seinem von ihm abhängigen Sohn und
dessen Frau zu verlassen.
Sein Sohn zerbricht fast in Barcelona an dieser Entwurzelung. Auch der Vater kehrt wieder in das Dorf zurück. Er fühlt sich frei, aber wie immer schon, auf Kosten von seinen Mitmenschen.
Ein schreckliches Familiengeheimnis kommt ans Tageslicht; eine Tragödie
nimmt ihren Verlauf. Nur die junge Frau seines Sohnes schafft es, trotz großer Verzichte und Mühen, für sich und ihr Kind in der Stadt ein neues Leben aufzubauen.
hoc.

Kristin Steinsdottir: Im Schatten des Vogels

Kristin Steinsdottir: Im Schatten des Vogels
Island: Gletscher glitzern in der Morgensonne, Gnome treiben sich herum,
die Elfe Hulda bekommt jeden Tag eine Kanne Milch, damit sie den Menschen wohlgesonnen bleibt. Das ist Palinas Umfeld, in der sie geliebt und behütet in einer Großfamilie heranwächst.
Es gibt viel Arbeit auf dem Hof, aber auch Zeit für Gesang und Erzählungen.
Palina liebt ihre Mutter, den Vater allerdings ganz besonders. Als Kind konnte sie nicht ahnen, daß sein rücksichtslosen Verhalten der Mutter gegenüber,
einen langen, dunklen Schatten auf ihr Leben wirft.
Ihre erste, große Liebe darf sie nicht heiraten. Als später Vigfus sich in sie verliebt und um ihre Hand anhält, willigt sie ein. Vielleicht bekam sie ihre Kinder zu schnell hintereinander: Ängste, Eifersucht, Depressionen und Wahnvorstellungen besetzten ihr tragisch endendes Leben.
Schon als Kind hat sie ein Vogel begleitet. Meist beschützend wenn sie sich unter seinen Flügeln verbergen wollte. Jetzt aber öfter bedrohlich; er setzte sich auf Ihre Brust, nahm ihr die Luft zum Atmen, sie ging sich selbst verloren.
Die Großmutter der Autorin litt an einer bipolaren Störung und war Vorbild dieser sehr bewegend geschriebenen Geschichte.
hoc.

Connor Grennan: Little Princes

Connor Grennan: Little Princes - meine Suche nach den verlorenen Kindern von Nepal
Eine sehr interessante, abenteuerliche, anrührende Biographie, mit einer zarten Liebesgechichte!
Der Plan eines jungen Berufsaussteigers: ein Jahr als Rucksacktourist um
die Welt reisen. Zuvor noch drei Monate freiwilligen Einsatz in einem nepalesischen Waisenhaus leisten, um Eltern und Freunde zu imponieren, obwohl er mit Kindern eigentlich nichts am Hut hatte. Dann wieder das große Geld verdienen.
Nach seiner Weltreise fand er allerdings für sich keine sinnvollen Aufgaben mehr im ehemaligen Wohlstansleben. Die Schicksale der verlorenen Kinder von Nepal, die meist keine Waisenkinder waren, sondern verschleppt, dann ausgesetzt, verkauft, oder zu Kindersoldaten ausgebildet wurden, ließen ihm keine Ruhe mehr.
Es gelang ihm mithilfe von Freunden die Gründung einer Hilfsorganisation.
Er ging wieder zurück zu seinen Waisenkindern. Mit Spendengeldern konnte er ein zusätzliches kleines Haus erwerben. Dann gelang ihm noch das fast Unmögliche: in einem kleinen, von der Zivilisation abgeschiedenen Bergdorf, spürte er mit einem Hilfstrupp einige Eltern "seiner Waisenkinder"auf. Diese hatten vor Jahren dem Versprechen eines angeblich guten Helfers, ihre Kinder in Sicherheit zu bringen, vertraut. Ohnehin schon arm, opferten sie dafür oft ihr letztes Hab und Gut.
Mit dem Kauf des Buches unterstützt man bereits die Organisation " Next Generation Nepal". Spendengelder kommen direkt - ohne Unterwegsverluste - an.
hoc.

Diana Nasher: Töchterland

Diana Nasher: Töchterland
Eine interessante Generationen-Biografie! Schilderungen von Afghanistan, das wir so nicht kennen; Lebensmöglichkeiten, die allerdings nicht allgemein zugänglich waren.
Elisabeth, 1906 in Worms geborene Tochter aus gut bürgerlichem Elternhaus,
verliebt sich in einen afghanischen Studenten. Trotz vieler Widerstände folgt sie ihm in sein Land. Ihre allzu romantischen, aber wirklichkeitsfremden Vorstellungen vom Leben dort, wurden vom armseeligen, kargen Alltag schnell eingeholt. Die Ehe scheiterte.
Ihre 15jährige Tochter Mariam stimmte lieber einer Ehe als Zweitfrau zu, als von
ihrem Vater mit einem Fremden zwangsverheiratet zu werden. Ihr Mann stammte aus einer priveligierten, reichen Oberschicht-Dynastie. Wie seine Vorfahren war er Erneuerungen und Fortschritten in wirtschaftlichen und sozialen Bereichen gegenüber sehr aufgeschlossen und erfolgreich. Mariam führte ein Leben wie in einem orientalischen  Märchen, das sich einst  ihre Mutter so ausmalte.
Tochter Diana, Enkelin von Elisabeth, profitierte von gesellschaftlichen Veränderungen, die ihr ein Medizinstudium in Prag ermöglichten. 1973 brachen politische Unruhen aus; sie wurden enteignet, ihr Mann inhaftiert. 1979 gelang dann der Familie die abenteuerliche Flucht nach Deutschland.
Großmutter, Tochter und Enkelin - drei starke Frauen - gelang trotz vieler Verluste, ein Neuanfang.
hoc.

Michael Degen: Familienbande

Michael Degen: Familienbande
Sehr eindrucksvoll beschreibt Michael Degen das Leben des jüngsten
Mann-Sohnes Michael.
Nicht erwünscht und nie geliebt zerbricht er - trotz eigenen, großen Erfolgen als
Geiger und Bratschist - an den unvorstellbaren seelischen Grausamkeiten seines Über-Vaters Thomas Mann.
hoc.

Boualem Sansal: Harraga

Boualem Sansal: Harraga
Algerien: Männer fliehen aus dem Land, Frauen verschwinden im Land. Lamia, einsam lebende Kinderärztin, sucht ihren "Idioten von Bruder", Cherifa und
die Antwort auf die Frage:" Bis zu welchem Punkt, Gott, gehört uns unser Leben?"
Cherifa,16 Jahre alt, eine kleine chaotische Lolita, schwanger und das in einem islamistischen Land, klopfte eines Tages an ihre Türe.
Zwei sehr unterschiedliche Frauen versuchen sich im Zusammenleben. Doch immer wieder verschwindet Cherifa, während Lamia gerade bogonnen hat, sie zu lieben wie eine Tochter. Bitterböse, ironisch und witzig geschilderte Begebenheiten mit Nachbarn, Kollegen und Ämtern.
hoc.

Boulem Sansal: Das Dorf des Deutschen

Boulem Sansal: Das Dorf des Deutschen
Dieses Buch des Friedenspreisträgers des Deutschen Buchhandels 2011 ist sehr gut geschrieben; es geht unter die Haut.
1994, Islamisten überfallen ein algerisches Dorf. Alle Bewohner wurden getötet. Darunter auch die Eltern von Rachel und Malich, die in Frankreich leben.
Rachel findet im Nachlass der Eltern Beweise, dass sein deutscher Vater ein "Henker" in der Nazi-Zeit war. Er geht den Hinweisen nach, sucht die Vernichtungslager auf und zerbricht letztendlich an den Erkenntnissen, die er in einem Tagebuch für seinen Bruder festhält. Auch werden aktuelle islamistische Probleme in Frankreich werden in die Handlung mit einbezogen.
hoc.

Philip K. Dick: Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

Philip K. Dick: Träumen Androiden von elektrischen Schafen?
Welches Leben ist lebenswert? Diese Frage stellt sich Rick Dechard bei der Jagd auf entflohene Androiden unter dem Gesichtspunkt, die jedes Leben für heilig hält – bis auf künstliches.

Kommentar: Dick in Reinform – keine Science-Fiction für Fans leichter Unterhaltung und ein grandioses Erlebnis auch für Kenner des Films. Guter Einstieg in Dicks Welten.
Steffi K.

Francesca Melandri: Eva schläft

Francesca Melandri: Eva schläft
Ein Alltagsleben in Südtirol 1919 - heute
Eva, das vaterlose Kind, liebt ihre Mutter Gerda. Diese hatte, als ledige Mutter, zur damaligen Zeit mit vielfältigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Vom eigenen Vater wurde sie aus dem Haus gejagt, aber Gerda war eine starke Frau - immer schon - und sie liebte Eva.
Geschichtlich belegte Konflikte zwischen Italien und Südtirol brachten viel Unruhe in die Gegend. Während sich Silvius Magnagno für eine echte Autonomie Südtirols einsetzte, waren einige südtiroler Attentäter nicht zugänglich für Verhandlungen und Kompromisse. Sie versuchten mit zahlreichen Anschlägen die Italienisierung aufzuhalten. Schikanen von italienischer Seite blieben nicht aus. Es durfte nicht mehr deutsch gesprochen werden, weder zu Hause noch in den Schulen. Anträge für Rente oder Arbeit, deutsch ausgefüllt, wurden nicht bearbeitet. In Krankenhäusern wurden deutschsprechende Patienten nicht behandelt. Italienische Carabinierie sollten für Ordnung sorgen.
So kam auch Brigardiere Vito in ihr Leben; er wurde zu Gerdas großer Liebe und zu Evas lange vermißtem "richtigen" Vater.
Wenigstens für eine kurze Zeit, dann waren Eva und Gerda wieder alleine.
Doch nach Jahrzehnten meldete sich Vito  bei Eva. Er lag im Sterben
und wollte sie noch einmal sehen. Eva machte sich sofort auf den Weg zu ihm.
Eine Roman um Liebe und Verzeihen, umgeben von  politischer Zeitgeschichte.
hoc.

Samuel Benchetrit: Rimbaud und die Dinge des Herzens

Samuel Benchetrit: Rimbaud und die Dinge des Herzens
Ein Tag mit Charly durch weniger touristisch bekannte Hochhausviertel.
Charly ist zehn Jahre alt, Optimist, liebt seine Mutter, die noch keine Aufenthaltsgenehmigung besitzt, seinen Junkie-Bruder und Melanie, seine Schulfreundin. An diesem Tag wird seine Mutter von der Polizei abgeholt. Auf der Suche nach ihrem Aufenthaltsort trifft er zufällig seinen älteren Bruder, dem er zwar nicht helfen kann, dessen Lebensweise er auch absolut nicht gut findet, den er aber immer lieben wird.
Eine sehr berührende Begegnung der beiden unterschiedlichen Brüder.
Unterstützung bei der Suche nach seiner Mutter erfährt er vor allem von seinen
vielen Freunden und von Melanie.
Humorvolle, auch wehmütig geschilderte Begegungen und Beobachtungen.
Einfach schön zu lesen.
hoc.

Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil

Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil
Auch früher hatte Arno Geigers Vater schon einen etwas eigenbrötlerischen
Lebensstil. Kurz nach seiner Pensionierung wurde sein Verhalten jedoch immer
unerklärlicher, irritierte die Familie sehr, der Umgang mit ihm gestaltete sich
schwieriger. Vorwürfe und Ermahnungen blieben nicht aus. Bis die Diagnose Demenz feststand.So schwer dieser Befund auch anzunehmen war, für alle gestaltete sich das Zusammenleben nun leichter.
Rückblicke auf die entbehrungsreiche, aber als sehr schön erlebte Kindheit des Vaters, Arno Geigers eigenes, unbeschwertes Heranwachsen, lassen dieses Buch nicht nur als Krankenbericht lesen. Humorvoll und fast schon weise antwortete der Vater auf Fragen.
Einige Jahre schon begeleitet Arno Geiger liebevoll seinen Vater auf dessen langen, leidvollen Weg des Vergessens und der vielfältigen Verluste. Die Familienangehörigen wechselten  sich mit der Betreuung ab. Professionelle Hilfe wurde in Anspruch genommen als sie die Rund-um-die-Uhr-Versorgung alleine nicht mehr schafften. So konnte der letztendlich unvermeidbare Aufenthalt in einem Heim lange hinausgezögert werden.
Es ist gut, daß Demenz öffentlicher wird. Das Wissen um die Befindlichkeiten und Bedürfnisse der Betroffenen ermöglichen einen verständnisvollen Umgang mit ihnen.
hoc.

Delphine de Vigan: Ich hatte vergessen daß ich verwundbar bin

Delphine de Vigan: Ich hatte vergessen daß ich verwundbar bin
Paris, zwei Menschen an einem 20. Mai: Mathilde ist glücklich mit ihren drei Söhnen, für die sie, nach dem frühen Tod ihres Mannes, alleine sorgt. Zusätzlich ist sie auch beruflich sehr erfolgreich - bis ihr Chef, aus verletzter Eitelkeit, mit beklemmend geschilderten Mobbing-Strategien gegen sie vorgeht.

Der Bereitschaftsarzt Thibault begenet täglich einer Vielfalt menschlicher Nöte und Leiden. Oft kann er helfen, sein Beruf füllt ihn aus. Aber sein Privatleben liegt brach. Er hat sich von seiner unerwiderten, großen Liebe getrennt.

Beide steuern auf einen physischen und psychischen Zusammenbruch zu.
Manchmal kreuzen sich ihre Wege. Beider Wunschvorstellungen an das Leben sind ähnlich. Aber ob sie sich je begegnen, bleibt offen. Ohne Schnörkel - sehr realistisch geschrieben. Könnte in jeder Stadt, jedem Berufsumfeld, so oder ähnlich, stattfinden
hoc

Irene Nemirovsky: Die Familie Hardelot

Irene Nemirovsky: Die Familie Hardelot
Ein Familienroman auf hohem Niveau!
Bissig und ironisch geschildertes Bürgertum um 1900. In der heutigen Zeit unvorstellbare Sittenregeln und Gepflogenheiten; sie würden eher witzig oder lächerlich empfunden. Wie man Liebe schreibt wußte man; in diesen Kreisen wurde großer Wert auf Bildung gelegt. Aber nur aus Liebe heiraten, ohne daß Geld zu Geld kommt, kam einer unverzeihlichen Dummheit nahe. Wohlstandssorgen, Leid, Intrigen, Eifersucht, am Rande werden zwei Kriege erwähnt.
Ich habe den Roman gerne gelesen. Vom Herz-Schmerz-Inhalt abgesehen finde ich, daß das Großbürgertum der damaligen Zeit sehr gut beschrieben ist.
hoc

Wolfgang Herrndorf: Tschick

Wolfgang Herrndorf: Tschick
Hinterlistig-ironisch geschilderte Episoden von verschrobenen Lehrern, einer Mutter, die ab und zu eine Beautyfarm aufsucht, hinter der sich jedoch eine Entzugsklinik verbirgt, einem Vater der diese Zeit mit seiner Assistentin für Geschäftsreisen nutzt und zwei Aussenseitern: dem wohlstandsgeschädigtem Maik und dem verwahrlostem Tschick.
In den Sommerferien unternehmen die Beiden eine wahrhaft abenteuerliche Reise in die Wachau. Haarsträubende Erlebnisse und Begegnungen mit skurillen Menschen wechseln sich ab. In der Wachau kommen sie zwar nie an, erreichen aber trotdem viel; eine wunderbare Freundschaft entseht, Maik ist kein Psycho und Feigling mehr und Tschick bekommt eine Chance.
"Tschick" ist ein Tragisch-komischer Roman, witzig und berührend zugleich und ohne moralisch erhobenen Zeigefinger geschrieben.
hoc

Romain Rolland: Pierre und Luce

Romain Rolland: Pierre und Luce
Paris 1918, mitten im Wahnsinn des Krieges begegnet Pierre zufällig Luce.
Es beginnt, wie es auf der Titelseite des Romans heißt: "die zarteste Liebesgeschichte der Weltliteratur".
Der Nobelpreisträger Romain Rolland läßt Pierre in seinem Roman die Frage nach dem Warum stellen: "Warum diese Besessenheit in der Selbstzerstörung? Warum diese Vaterländer, diese beutehungrigen Staaten, diese Völkerländer, denen man das Morden als eine Pflicht anerzogen hatte?".
Weder damals noch in der folgenden Generation drangen seine Mahnungen in das Bewußtsein der Herrschenden.
Sehr interessant dazu das Nachwort von Hartmut Köhler.
hoc

Sofi Oksanen: Fegefeuer

Sofi Oksanen: Fegefeuer
Die alte Aliide Tru  findet 1992 im Garten ihres Bauerhauses die junge Zara, halbtod, in verwahrlosten Zustand. Beide Frauen verbindet ein Familiendrama das vor Jahrzehnten begann.
Aiide verriet ihre Schwester während des Krieges aus enttäuschter Liebe, so daß diese mit ihrer kleinen Tochter nach Sibirien in die Verbannung geschickt wurde.
Zara ist die Enkeltochter ihrer Schwester.
Rückblickend wird von Oksanen ein erschütterndes Dokument zur Geschichte des estnischen Volkes aufgezeichnet.
Grauenvolle Erlebnisse: Unterdrückung, Deportation und Folter; Opfer wurden zu Tätern. Größenwahnsinnige machtgierige Kriegsherren und deren Knechte ließen vor allem auch die Frauen leiden.
Spannend wie ein Krimi zu lesen!
hoc

Elisabeth Binder: Wintergast

Elisabeth Binder: Wintergast
In einem abgelegenen kleinen schweizer Bergdorf soll der junge Maler Andreas aus seiner Sinn- und Schaffenskrise wieder herausfinden. Einzelne Menschen des Dorfes lernt Andreas näher kennen.
Sie alle haben "Päckchen " zu tragen, Sorgen um die Zukunft, ungelöste Sinnfragen. Er blickt hinter aufgerichtete Mauern und bröckelnde Fassaden, begegnet Schatten aus der Vergangenheit.
Einfühlsam beschreibt Elisabeth Binder diese verschiedenen Menschen und schildert grandios Bergwelt und Natur in der sie leben.
hoc

Christian Signol: Marie des Brebis

Christian Signol: Marie des Brebis - Der reiche Klang des einfachen Lebens
(des Brebis: von den Schafen)

Zwei Jahre lang erzählt Marie, 83jährig, Signol aus ihrem Leben und er zeichnet es in eindrucksvoller Weise nach: Marie des Brebis wird von Johann, einem einfachen Schafhirten, wenige Tage nach ihrer Geburt inmitten seiner Herde entdeckt. Er erklärt das Findelkind zu seiner Tochter. Johannes liebte und umsorgte dieses Kind vom ersten Augenblick an bis zu seinem Tod.
Als er von seinem Bauern vor die Wahl gestellt wurde: entweder das Kind oder die Kündigung, zor er mit Marie, die er sich auf den Rücken gebunden hatte, weiter. Beide wurden sie von gütigen Menschen aufgenommen. Es gab keinen materiellen Wohlstand in ihrem Leben; dafür einen Reichtum an Liebe zu den Menschen, der Natur, den einfachen Dingen des Lebens und einem grenzenlosen Gottvertrauen. Daraus konnte sie immer wieder Kraft schöpfen um Hunger, Kälte und schwere Schicksalsschläge zu bewältigen.
"Immer wußte ich was Glück bedeutet: daß man zufrieden ist, mit dem was man hat, und sich selbst akzeptiert wie man ist".
Eine wundervolle Biografie!
hoc

Manuela Olten: Mama

Manuela Olten: Mama

Ein Bilderbuch über Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Mutter und Sohn.
Kommentar: Das Buch ist vermutlich für Erwachsene lustiger als für Kinder - mir kamen vor Lachen die Tränen; authentischer kann man solche Dialoge nicht wiedergeben!
01.10.2010

Jan-Uwe Rogge: Pubertät - Loslassen und Haltgeben

Jan-Uwe Rogge: Pubertät - Loslassen und Haltgeben

Sehr lebensnahe Beispiele aus dem Alltag mit realistischer "Auflösung" der Situation(en). Nichts Überirdisches, ein Mutmacher auf alle Fälle! Und der ist zuweilen dingend nötig!
J.Liegl

Gerlis Zillgens: Eine 6 und sieben Küsse

Gerlis Zillgens: Eine 6 und sieben Küsse

Marie hat eine 6 in Englisch und wird von ihrer Mutter nach England geschickt, um die Note aufzubessern. Dort nimmt das Liebeschaos seinen Lauf.
Kommentar: Die Geschichte war so lebhaft geschrieben, dass man mit Marie mitfühlen konnte.
Nadine, 26.08.2010

Martina Sahler: Ein Engländer zum Küssen

Martina Sahler: Ein Engländer zum Küssen

In diesem Buch geht es um ein Mädchen, das sich in einen Feriengast, der aus England kommt, verliebt. Oder auch nicht? Sie ist sich noch nicht sicher!
Kommentar: Die Geschichte war sehr gut zu verstehen und hat wenige, kurze Sätze auf Englisch.
Nadine, 26.08.2010

Chahdortt Djavann: Die Stumme

Chahdortt Djavann: Die Stumme

Fatemeh, 15 Jahre alt, wartet im Gefängnis auf ihre Hinrichtung. Sie bittet einen jungen Gefängniswärter um ein Schreibheft. Darin berichtet sie vom  Schicksal ihrer geliebten Tante, der Stummen und die Folgen für sie.
Die Stumme hatte sich öffentlich zu ihrer großen Liebe bekannt. Ein Verstoß gegen islamistische Grundsätze, Traditionen und Werte. Religionsfanatiker verurteilten sie zum Tod durch Steinigung.
Auf Bitten von Fatemehs Vater. er ist der Bruder der Stummen, wandelt der Mullah die Strafe in ehrenvolleres Erhängen um. Als Preis dafür soll er die 13jährige Nichte zur 3. Frau erhalten.
Nun besteht Fatemeths Leben aus Demütigungen und Folter. Sie wird aus Verzweiflung zur Mörderin und hingerichtet. Nach ihrem Tod gelangt das Schreibheft durch den jungen Gefängniswärter in die Hände einer Journalistin.
Eine wahre Geschichte die nicht vergessen werden soll.
hoc

Bernhard Schlink: Sommerlügen

Bernhard Schlink: Sommerlügen

Heiter, melancholisch und nachdenklich erzählt Schlink seine Sommerlügen.
Es geht um Träume, Hoffnungen, Liebe und Alter. Schlink kann fantastisch schön erzählen. Alle Geschichten in diesem Buch haben nur einen Nachteil: sie sind
viel zu kurz!
hoc

Carla Guelfenbein: Der Rest ist Schweigen

Carla Guelfenbein: Der Rest ist Schweigen

Die drei Hauptpersonen des Romans erzählen jeweils aus ihrer Sichtweise
von ihrem Leben. Nach Außen umgiebt sie eine makellose Fassade. Dahinter verbirgt sich aber viel Unaus-und Angesprochenes und verdrängte Erlebnisse.
Eine gutbürgerliche Familie, in der jedoch jedes Mitglied für sich isoliert leidet. Juan, ein angesehener Herzchirurg, hat den Tod seiner ersten Frau nicht verarbeitet. Er lebt für seinen Beruf und in ständiger Sorge um seinen herzkranken kleinen Sohn Tommy. Tommy erfährt bei einem zufällig mitangehörtem Gespräch vom Selbstmord seiner Mutter, "dem bestgehütesten Geheimnis der Familie". Da stürzt für ihn eine Welt zusammen. Liebte sie ihn nicht, da sie ihn verlassen hat, wer war sie, wie war sie? Tommy macht sich auf eine verhängnisvolle Spurensuche.
Alma, die zweite Frau von Juan, fühlt sich oft alleine gelassen. Das gestörte Verhätnis zu ihrer Mutter belastet sie. Die Begegnung mit einem Jugendfreund bringt sie in ernsthafte Konflikte. Durch das Unvermögen, miteinander offen reden zu können, bahnt sich die Katastrophe an.
Ein Roman der berührt.
hoc

Paul Stewart, Chris Riddell: Twig im Dunkelwald

Paul Stewart, Chris Riddell: Twig im Dunkelwald

Twig wächst bei einer Waldtrollfamilie auf, ist aber viel zu groß für einen Waldtroll. An seinem drezehnten Geburtstag erfährt er, dass er gar kein Waldtroll ist und macht sich auf die Suche nach seiner Herkunft.
Kommentar: Auf der Reise nach seiner Herkunft trifft er viele verschiedene Tiere, die wir hier gar nicht kennen und entkommt oft sehr knapp Gefahren. Sehr spannend!
LB, 23.07.2010

Joey Goebel: Heartland

Joey Goebel: Heartland

Blue Gene Mapother ist das schwarze Schaf einerr sehr reichen U.S.-Familie. Der Vater ist ein hohes Tier eines Zigarettenkonzerns. Dessen anderer Sohn will in die Politik einsteigen und braucht natürlich jede Stimme. Auch die der einfachen Leute. Also ist Blue Gene gefragt. Der steht aber viel mehr auf Wrestling und Bier...
Der schonungslose Blick hinter die Fassaden des Amerika von heute. Vielleicht wird dank Blue Gene Vokuhila (Frisur der 70iger Jahre) wieder in?
Martina Damböck, 01.07.2010

Henning Scherf: Gemeinsam statt einsam

Henning Scherf: Gemeinsam statt einsam

Scherf erinnert eindringlich an vergessene Werte, Miteinander, Füreinander, Solidarität.
Er zeigt Wege auf, die eine lebenswerte Zukunft für Jung und Alt
ermöglichen  und Irrwege, die eine solche verhinden.
"Solidarität ist nicht das was wir tun müssen, sondern das, was wir tun können".
Lesenswert weil es Mut macht, schon mit kleinen Taten im täglichen Leben
ein gerechteres, menschlicheres Miteinander anzustreben.
hoc

William Kamkwamba: Der Junge, der den Wind einfing

William Kamkwamba: Der Junge, der den Wind einfing

William lebt mit seinen Eltern und sechs Geschwistern in Malawi, einem der ärmsten Länder der Welt. In den Lehmhütten gibt es weder Strom noch fließendes Wasser. Das tägliche Überleben besteht aus harter Arbeit auf dem Maisfeld. Eine Mißernte bringt neben Hungersnot auch finanziellen Ruin.
Für William kann das Schulgeld nicht mehr bezahlt werden.
Er aber ist davon überzeugt, daß nur Wissen und Bildung sein Leben verändern kann. In einer öffentlichen Bibliothek fasziniert ihn ein Physikbuch, das den Bau von Windturbinen beschreibt. Aus einem alten Fahrrad,  Materalien von der Müllkippe und mit Hilfe von Freunden baut er ein Windrad.
Diese "Erfindung" verändert ihn und sein ganzes Dorf. Strom wird in jede Lehmhütte kommen. William wird bekannt und gefördert.
Eine sehr bewegende Biographie!
hoc

Fred Sellin: Wenn der Vater mit dem Sohn

Fred Sellin: Wenn der Vater mit dem Sohn

Fred Sellin und sein Sohn Robin wandern in 6 Wochen 1400km entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze.
Die locker und offen geschriebenen Schilderungen von Konditions-, Orientierungs- und Vater-Sohn-Beziehungsproblemen sowie die unzähligen Begegnungen mit Menschen und ihren Schicksalen haben mich stark beeindruckt.
14.05.2010

Abdalrachman Munif: Salzstädte

Abdalrachman Munif: Salzstädte

Die Ausbeutung der Erdölvorkommen in einem arabischen Emirat durch eine amerikanische Gesellschaft verändert radikal das Leben der Einheimischen.
Wenn man sich auf die ruhige Erzählweise einläßt, findet man sich in einer unbekannten Welt mit einer Vielzahl von Personen wieder.
B.van Poortuliet, 29.04.2010

Cornelia Schinharl: Südfrankreich - Küche & Kultur

Ein Kochbuch, das durch die südfranzösische küche führt.
Kommentar: Wunderschön abgebildete Rezepte mit "Gelinggarantie". Einfach und unheimlich lecker!
K. Aicher, 07.04.2010

Christopher Moore: Die Bibel nach Biff

Christopher Moore: Die Bibel nach Biff

Die Jugendjahre von Jesus - sehr witzig - erzählt von seinem besten Freund.
Kommentar: Mich hat begeistert, dass Jesus nicht nur als Gottes Sohn, sondern als Mensch dargestellt wird - und das auch noch sehr witzig!
T.D., 31.03.2010

 

 

Moritz Netenjakob: Macho man

Moritz Netenjakob: Macho man

Ein Mann, in den ´68ern großgeworden, Frauenversteher, verliebt sich in eine Türkin und muß sich jetzt in der "Macho-Welt" behaupten - aber wie?
Kommentar: Der Roman ist unterhaltsam und amüsant geschrieben. Er liest sich leicht und macht richtig gute Laune!
K.Aicher, 26.03.2010

Cecilia Ahern: P.S. Ich liebe Dich

Cecilia Ahern: P.S. Ich liebe Dich

Ein Paar, das für immer zusammenbleiben möchte. Dann stirbt er frühzeitig und sie weiß nicht, wie sie ihr Leben alleine weiterleben soll. Bis sie Briefe von ihm findet, in seinen letzten Tagen verfaßt, um sie in ihrem Weiterleben zu begleiten...
Kommentar: Wunderbar romantisch, mal zum Weinen, mal zum Lachen. Ein Buch, das mitreißt und das man nicht mehr aus der Hand legen möchte.
K.Aicher, 26.03.2010

Thomas Mann: Zauberberg

Thomas Mann: Zauberberg

Hans Castrop fährt von Hamburg nach Davos in Urlaub. Für drei Wochen - er bleibt 7 Jahre!
Kommentar: "Liegekur nachts um zehn draußen auf dem Balkon bei -10 Grad Celsius" - Habe das Buch schon dreimal gelesen und finde immer wieder Neues!
26.03.2010

Joy Fielding "Im Koma"

Joy Fielding: Im Koma

Casey wird Opfer eines nicht geglückten Mordanschlags auf sie und landet im Koma. Langsam nimmt sie dort Stimmen und Gespräche wahr...weiß sie, wer der Täter ist?
Kommentar: Sehr gut und spannend!
18.03.2010

John Boyne "Der Junge im gestreiften Pyjama"

John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama

Der 9-jährige Bruno weiß nichts von Endlösung oder Holocaust, als er mit seinen Eltern (KZ-Aufseher) nach "Aus-Wisch" zieht. Er freundet sich mit Schmuel hinter dem Zaun an...
Kommentar: Die unvoreingenommene, kindliche Erzählperspektive läßt das Grauen ahnen und macht die Tragik dieser Freundschaft so eindringlich. Ein Jugendbuch auch für Erwachsene.
18.03.2010